Nicht nur aus Verbundenheit zur Tradition kamen zahlreiche Ustermer zum gemeinsamen Risottoessen in die Stadthalle. Auch schon der schmackhafte Risotto selbst reichte dazu als Grund.
Das Küchenteam um Stadtweibel Markus Hauser hat an diesem Sonntagnachmittag alle Hände voll zu tun. Denn im Anschluss an Doris Leuthards Festrede in der reformierten Kirche strömen massenweise hungrige Ustermer in die Stadthalle. In ihrer Küche ist die Luft derweil dick. Nicht etwa aufgrund eines Streits, sondern wegen des Risottos, dessen Duft sich gleichermassen in Nase wie in Kleidern festsetzt. Dort, in der Küche, zieht Hauser nach etwas mehr als einer Stunde des Festbetriebs auch eine erste Zwischenbilanz: «Wir haben bis anhin rund 800 Portionen ausgegeben, wobei wir für den Anlass 70 Kilo Reis eingekauft haben.» Und dieses Jahr seien gar noch mehr Besucher gekommen als im letzten, erzählt Hauser. Hauser und sein Küchenteam arbeiten alle für die Stadt Uster oder sind in einem Verein tätig. Ihr Engagement für den Ustertag ist ehrenamtlich. «So lautet die offizielle Version, aber eigentlich wurden wir alle abkommandiert», scherzt er und lacht zusammen mit dem Rest des gut gelaunten Küchenteams.
In der zum Festsaal umfunktionierten Turnhalle herrscht unterdessen ein buntes Treiben. Im vorderen Teil spielen die Stadtmusik und der Tambourenverein, und auf den rund 50 Festbänken haben gegen 300 Besucher Platz genommen. Unter ihnen vertreten sind gleichermassen jüngere wie auch ältere Semester. So flitzen zwischen den Festbänken zwei Buben hindurch und spielen Fangen, während ihre Eltern mit einem befreundeten Paar diskutieren. Einige Bänke weiter weg sitzt ein Rentnerehepaar, welches sich offenbar nicht viel zu sagen hat: Beide starren abwechslungsweise in ihr Weinglas oder in die Menge der Festbesucher.
Man trifft auch auf eine Handvoll Jugendliche, die an einem Bier nippen und Sprüche klopfen. Und zudem haben sich ein Paar wenige zeitgenössische Soldaten ebenfalls unters Volk gemischt. Jene sind mit der traditionellen Ausrüstung aus Zeiten der Schweizer Staatsgründung bekleidet: eine blau-rote Uniform, an deren Schultern goldene Patten glänzen, ein klobiger Holzkarabiner und der typische Ledertornister.
Der Hunger weist den Weg
Der Pensionär Heinz Dregger ist schon seit dreissig Jahren am Ustertag anzutreffen. Seitdem er damals von Winterthur hierhergezogen ist, liess er sich dieses Ereignis niemals entgehen. «Frau Bundesrätin Leuthards Rede gefiel mir im Grossen und Ganzen gut», so Dregger. Dabei sei ihm Doris Leuthard und ihre Politik ansonsten eigentlich nicht so sympathisch, ergänzt er und lächelt schelmisch. Am Ende einer der Festbänke sitzt ein junger Mann. Sein Name ist Kai Hummel, und er ist weniger aus traditionellen Gründen hier. «Eigentlich kam ich bloss hierher, weil ich mich an dem Anlass günstig und gut verköstigen kann», gesteht der aus Deutschland stammende Maschinenbaustudent. Mit den Traditionen und der Geschichte der Stadt Uster sei er noch nicht so vertraut, da er erst seit Kurzem in der Schweiz wohne.
Und draussen vor der Stadthalle steht Fatlum Ramizi mit seiner Frau und den beiden Kindern. Er sei aus Neugierde gekommen. Das Essen sei gut gewesen und die Stimmung angenehm. Ein Arbeitskollege habe ihm den Anlass empfohlen, so der Ustermer Lieferwagenchauffeur. Leuthards Rede habe er jedoch nicht gehört. «Ich mag Politik nicht so», sagt er und lächelt ein wenig verlegen.
Dieser Artikel ist am 23.11.2009 im Tages-Anzeiger Region Oberland erschienen und Online abrufbar.