Nachwuchs für politische Ämter zu finden ist nicht einfach. Diese Erfahrung mussten am Dienstag Behördenmitglieder in Wildberg machen.
Wildberg – Das Problem ist in vielen vor allem kleineren Gemeinden dasselbe: Kandidaten für öffentliche Ämter sind spärlich gesäht. Wildberg mit seinen rund 940 Einwohnern ist da keine Ausnahme. Im Vorfeld der Gemeindewahlen 2010 luden ihre Behörden deshalb zu einem Informationsabend, um dort für öffentliche Ämter die Werbetrommel zu rühren.
Im Saal des Restaurants Frohsinn erschienen rund 35 Wildbergerinnen und Wildberger. «Nur dank ehrenamtlichem Engagement funktioniert das Milizsystem in der Schweiz», sagte der Wildberger Gemeindeschreiber Matthias Küng bei der Eröffnung des Anlasses. «Die Aufgabe als Gemeinderat ist sehr vielfältig.» Allerdings benötige man dafür nicht nur Motivation, sondern vor allem auch Zeit: Mit rund 600 Stunden pro Jahr müsse man rechnen – als «Anfänger» gar mit 800. «Dafür wird man aber auch entschädigt», sagte Küng und nannte einen Betrag von 10 500 Franken inklusive Sitzungsgelder und Spesen, woraufhin ein Tuscheln die Runde machte. «Wir werden nächstens zwei Vakanzen im Gemeinderat haben», sagte Küng. Die Gemeinde sei nun auf der Suche nach Nachfolgern und schreibe Einwohner an. Die Rückmeldungen seien aber bescheiden. «Es wäre schön, wenn wir die Leute nicht erst anschreiben müssten», meinte Küng etwas enttäuscht.
Im Anschluss an Küngs Präsentation stellten Vertreter von Schulpflege, Rechnungsprüfungskommission, Frauenverein und Kirchenpflege ihre Behörden und Aufgabengebiete vor. Auch dort drohen wegen schon angekündigter Rücktritte mehrere Vakanzen.
Frauen in den Gemeinderat
Sabine Sieber, die in ihrer Funktion als Gemeindepräsidentin von Sternenberg an den Anlass in Wildberg eingeladen worden war, machte sich besonders für Frauen in der Gemeindepolitik stark. Vor vier Jahren sei sie bereits schon einmal hier gewesen und habe versucht, Frauen an die Politik heranzuführen – jedoch ohne grossen Erfolg. Sie gebe aber nicht zu schnell auf, betonte sie. «Frauen sollen sich nicht ständig sagen‹Ich kann das nicht, ich verstehe das nicht›», forderte Sieber. Anhand einer Statistik zeigte sie, dass es für einen Gemeinderat in erster Linie wichtig ist, Organisations- und Führungskompetenzen zu haben. Viele Frauen hätten darin bereits grosse Erfahrung – «als Managerinnen eines Kleinunternehmens genannt Familie», sagte sie. «Ich wünsche mir für die Gemeinde Wildberg, dass sie eine Gemeinderätin bekommt», schloss Sieber.
Nach den Referaten entstand eine angeregte Diskussion. Dabei wurde die Forderung laut, Neuzuzüger müssten besser angesprochen und für Gemeindepolitik interessiert werden. Es wurde auch Kritik an der Entlöhnung der Ämter geäussert – Aufwand und Entschädigung stünden in keinem Verhältnis. Gemeindeschreiber Matthias Küng erklärte dazu, dass die öffentliche Hand nie gleich viel bieten könne, wie die Privatwirtschaft. Der Präsident der Schulpflege, Roman Müller, doppelte nach: «Im Vordergrund sollte stehen, dass man es zum Wohle der Gemeinschaft tut – und nicht des Lohnes wegen.»
Dieser Artikel erschien am 19.11.2009 im Tages-Anzeiger Region Oberland und ist online abrufbar