In Steg unterhielt Bauer, Liedermacher und Autor Jakob Alt sein Publikum.
Steg – Der Auftritt von Jakob Alt hatte das Motto «Bauern und Büezer heute». Der Anlass fand, passend zum Thema, in der Fabrikhalle des Möbelherstellers Tossa statt. Passend deshalb, weil Bauern und Büezer in den letzten Jahrzehnten ähnlich turbulente Zeiten durchlebten wie die einst stolze Tösstaler Industrie. Der Einladung des SP-Forums Tösstal folgten zahlreiche Kulturfreunde. Gut 80 an der Zahl füllten den Raum bis zum hintersten Platz. Auch einzelne ältere Landwirte kamen, um sich ihren Berufskollegen anzuhören. Sie stachen dabei angenehm aus dem ansonsten adrett gekleideten Publikum heraus. Indes stimmten Jakob Alt und seine Band ihre Instrumente. Der Bauer und Liedermacher ist kräftig gebaut und man sieht ihm an, dass er arbeiten kann. Sein weiss meliertes Haar und der ausgeprägte Bart stehen dazu in einem sanften Kontrast.
Gedicht über Kuschel-Agronom
«Das Tösstal erinnert mich an meine Kindheit», sagte der 65-Jährige. In Oetwil an der Limmat habe es damals noch viele Bauernhöfe und gar eine Fabrik gegeben, aber diese Zeiten seien vorbei. Zusammen mit seiner Band spielte er ein erstes Mundartlied an, in dem er die jüngste Geschichte des Bauernstandes aufrollte. Mit viel Wortwitz erzählt er von Preisspekulationen, Landverkäufen, dem Wohnungsbau und dem Bauernsterben. In einem Gedicht nahm sich der Linke selbst auf die Schippe. Das Gedicht endet mit der Zeile «Ich bin gäge Gen und Atom, dänn ich bin en KuschelAgronom». Alt zog damit die Sympathie des Publikums auf seine Seite. Jakob Alt nennt sich selbst «Wörking Puur» – in Anspielung auf die «Working poor», die trotz Arbeit arm bleiben.
Der Oetwiler hat in seinem Leben viel erlebt. Zwischen Gedichten und Liedern erzählte er davon. So zum Beispiel, dass sein Vater bereits früh verstarb. Alt war damals gerade erst 3 Jahre alt. Schon früh musste er auf dem Hof Verantwortung übernehmen. «1971 gab ich den Hof auf, um Sozialarbeiter zu werden.» Es folgte der Umzug in einen Wohnblock, und er wurde Vater. Das Bauern habe ihm jedoch sehr gefehlt. Da er seinen Kindern das Aufwachsen in der Natur mit Tieren ermöglichen wollte, sei er wieder Bauer geworden.
Zusammen mit dem Fabrikchor sang Alt zum Schluss das «Internationale Bauernlied» – eine Anlehnung an die Internationale, das Kampflied der sozialistischen Arbeiterschaft. Dieses, wie ein älterer Zuhörer bemerkte, sei zwar etwas antiquiert gewesen, habe jedoch wunderbar in die Romantik des Bauernund Büezerlebens gepasst, unter welcher der Abend stand.
Dieser Artikel erschien am 23.01.2010 im Tages-Anzeiger Region Zürich & Oberland