Die neuen Kreisel sollen das übliche Grau durchbrechen.
Gossau – Ort des Geschehens an diesem grauen und kalten Samstag ist der Parkplatz vor der Gossauer Badi. Dort steht ein Tross, bestehend aus einer historischen Postkutsche, einem alten Postauto, einem gut 60-jährigen Rolls-Royce sowie zahlreichen Oldtimer-Traktoren, bereit und setzt sich schleppend in Bewegung. Die herausgeputzten Raritäten machen sich auf den Weg zu einer Dorfrundfahrt, die den Auftakt zu den Feierlichkeiten rund um den neuen Dorfkern bildet. In den Gefährten sitzen gut gelaunte Ehrengäste, Politiker und Bürger. Der Zug bahnt sich quer durch Wohnquartiere langsam seinen Weg. Überall auf der Strecke begegnen ihm Menschen, die ihm entzückt zuwinken. Zwischendurch bleibt ein Bührer-Traktor Baujahr 1934 auf der Strecke liegen, was im Postbus für Schalk und Gelächter sorgt. Dann fährt der Tross von Süden her ins Dorfzentrum ein, wo sich über 90 Stände aneinanderreihen und zahlreiche Menschen auf der Strasse sind. Zwischen den beiden neu gebauten Kreiseln halten die Oldtimer, und die Gäste steigen aus. Staunende Menschentrauben bilden sich um die alten Transportmittel, und vor allem die kleinen Besucher finden an ihnen grossen Gefallen. Im Hintergrund dieses Treibens spielt der Musikverein und trägt seinen Teil zur heiteren Stimmung bei. «Test, Test», spricht plötzlich eine sonore Stimme aus den am Strassenrand aufgestellten Lautsprechern, woraufhin suchende Blicke die Runde machen. Dann, wie von Geisterhand geformt, bilden die Festbesucher einen Kreis um einen Mann.
Die Kreisel kommen gut an
Der Mann ist Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP), der seine Festrede beginnt: «Liebe Gossauerinnen und Gossauer, es freut mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind», sagt er und spricht alsbald über die neu gebauten Kreisel. Er sei sehr erfreut über das Resultat der Bauarbeiten und deren Wirkung. «Die Kreisel bilden ein Tor zum Zentrum hin und durchbrechen das übliche Grau der Strassenzüge, wodurch sie für eine wohltuende Belebung sorgen», so Kündig. Er erhoffe sich davon mehr Leben für das Dorfzentrum. «Jetzt fehlt nur noch, dass die Lücke in der Oberlandautobahn endlich geschlossen wird», sagt er. Dann übergibt Kündig das Wort an Othmar Martin vom kantonalen Tiefbauamt. Dieser spricht über die Zahlen rund um die Bauarbeiten. So seien seit Mai 2008 für den Bau der beiden Kreisel und die Sanierung des Bachbetts des Laufenbachs rund 5,5 Millionen Franken investiert worden.
Daraufhin zerstreuen sich die Leute wieder, um sich an den Ständen mit Glühwein zu wärmen oder um ihren Hunger zu stillen. Beim oberen Kreisel an der Bertschikerstrasse stehen in der Zwischenzeit vereinzelte Festbesucher und diskutieren den Kreiselschmuck; aus Metallstäben geschweisste Globen, die mit dünnen Efeuranken überzogen sind. «Den neuen Kreiselschmuck finde ich schön. Er passt gut in die Landschaft», sagt Heidi Gisler, die die Globen gerade begutachtet. «Ja, die neuen Kreisel sind ganz schön. Aber auch die Frauen hier sind schön», scherzt ein Jugendlicher, woraufhin die ganze Gruppe lacht.
Weiter dorfeinwärts an der Laufenbachstrasse steht der zweite Kreisel. Aus Metallplatten geschweisste Menschen-Silhouetten zieren ihn. Sie scheinen dem Betrachter sagen zu wollen, dass man sich hier in einer Begegnungszone befindet. Ganz in der Nähe steht auch Fritz Schwarz aus Grüt, der gerade angeregt mit einem anderen Besucher Kreisel diskutiert. Er erhoffe sich von ihnen eine Verkehrsberuhigung. Denn bisher würden viele LKW über Grüt und Gossau fahren, um auf die Forch-Autobahn zu gelangen. «Womöglich nerven sich die LKW-Fahrer nun wegen der vielen Kreisel und machen fortan einen Bogen um Gossau.»
Dieser Artikel erschien am 07.12.2009 im Tages-Anzeiger Region Zürcher Oberland.
