Archiv für die Kategorie „Journalismus“

Aus dem Leben eines «Wörking Puur»

Samstag, 23. Januar 2010

In Steg unterhielt Bauer, Liedermacher und Autor Jakob Alt sein Publikum.

Steg – Der Auftritt von Jakob Alt hatte das Motto «Bauern und Büezer heute». Der Anlass fand, passend zum Thema, in der Fabrikhalle des Möbelherstellers Tossa statt. Passend deshalb, weil Bauern und Büezer in den letzten Jahrzehnten ähnlich turbulente Zeiten durchlebten wie die einst stolze Tösstaler Industrie. Der Einladung des SP-Forums Tösstal folgten zahlreiche Kulturfreunde. Gut 80 an der Zahl füllten den Raum bis zum hintersten Platz. Auch einzelne ältere Landwirte kamen, um sich ihren Berufskollegen anzuhören. Sie stachen dabei angenehm aus dem ansonsten adrett gekleideten Publikum heraus. Indes stimmten Jakob Alt und seine Band ihre Instrumente. Der Bauer und Liedermacher ist kräftig gebaut und man sieht ihm an, dass er arbeiten kann. Sein weiss meliertes Haar und der ausgeprägte Bart stehen dazu in einem sanften Kontrast.

Gedicht über Kuschel-Agronom

«Das Tösstal erinnert mich an meine Kindheit», sagte der 65-Jährige. In Oetwil an der Limmat habe es damals noch viele Bauernhöfe und gar eine Fabrik gegeben, aber diese Zeiten seien vorbei. Zusammen mit seiner Band spielte er ein erstes Mundartlied an, in dem er die jüngste Geschichte des Bauernstandes aufrollte. Mit viel Wortwitz erzählt er von Preisspekulationen, Landverkäufen, dem Wohnungsbau und dem Bauernsterben. In einem Gedicht nahm sich der Linke selbst auf die Schippe. Das Gedicht endet mit der Zeile «Ich bin gäge Gen und Atom, dänn ich bin en KuschelAgronom». Alt zog damit die Sympathie des Publikums auf seine Seite. Jakob Alt nennt sich selbst «Wörking Puur» – in Anspielung auf die «Working poor», die trotz Arbeit arm bleiben.

Der Oetwiler hat in seinem Leben viel erlebt. Zwischen Gedichten und Liedern erzählte er davon. So zum Beispiel, dass sein Vater bereits früh verstarb. Alt war damals gerade erst 3 Jahre alt. Schon früh musste er auf dem Hof Verantwortung übernehmen. «1971 gab ich den Hof auf, um Sozialarbeiter zu werden.» Es folgte der Umzug in einen Wohnblock, und er wurde Vater. Das Bauern habe ihm jedoch sehr gefehlt. Da er seinen Kindern das Aufwachsen in der Natur mit Tieren ermöglichen wollte, sei er wieder Bauer geworden.

Zusammen mit dem Fabrikchor sang Alt zum Schluss das «Internationale Bauernlied» – eine Anlehnung an die Internationale, das Kampflied der sozialistischen Arbeiterschaft. Dieses, wie ein älterer Zuhörer bemerkte, sei zwar etwas antiquiert gewesen, habe jedoch wunderbar in die Romantik des Bauernund Büezerlebens gepasst, unter welcher der Abend stand.

Dieser Artikel erschien am 23.01.2010 im Tages-Anzeiger Region Zürich & Oberland

Er hilft dort, wo es ihn braucht

Mittwoch, 6. Januar 2010

Der in Illnau-Effretikon lebende Jörg Bachofner ist Geschäftsführer des Pfungener Hilfswerks Selam. Die Dankbarkeit der Menschen ist für ihn das grösste Geschenk.

Illnau-Effretikon – In einem unscheinbaren Oberweninger Wohnquartier befindet sich die bescheidene Geschäftsstelle des christlichen Hilfswerks Selam. Dieses unterstützt seit Jahren bedürftige Kinder und Jugendliche in Äthiopien, indem es ihnen ein Zuhause bietet und ihnen eine Ausbildung ermöglicht. Selam steht damit in der Tradition vieler kleiner Hilfswerke, die es hierzulande gibt.

In der Schweiz verbucht Selam gerade einmal 140 Stellenprozente, wovon deren 80 auf den Geschäftsführer Jörg Bachofner entfallen. In seinem Büroraum erzählt Bachofner bei einer Tasse Kaffee, wie er mit Selam in Kontakt kam. «Das Hilfswerk wurde 1985 während der grossen Hungersnot in Äthiopien von der Pfungener Familie Röschli gegründet», so der 48-Jährige. Als er in den späten 80er-Jahren mit Frau und Kind nach Pfungen zog, lernte er dort im gemeinsamen Gebetskreis die Familie Röschli kennen. Ihre Wege trennten sich danach aber wieder für eine Weile. «Wir zogen nämlich für einige Jahre in die Elfenbeinküste, um dort bei Entwicklungsprojekten mitzuhelfen», erzählt der diplomierte AgroIngenieur.

Die Dankbarkeit der Menschen

Als Anfang der 90er-Jahre sein Engagement in Westafrika zu Ende war, bereiste Bachofner Äthiopien. Dort gab er Selam sein Wissen über Tierhaltung weiter. Daraufhin verebbte der Kontakt wieder, bis an einem Herbsttag im Jahr 2007 jemand von Selam anrief. Denn im Sommer desselben Jahres war völlig überraschend der damalige Geschäftsführer verstorben. Das Hilfswerk benötigte somit selbst Hilfe.

Bachofner übernahm die Aufgabe. «Wenn es mich irgendwo braucht, dann helfe ich dort», sagt er und fügt an, dass dies ein Stück weit auch sein Lebensmotto sei. Denn schon damals in der Elfenbeinküste habe er festgestellt, dass ihm das Helfen eine tiefe innere Befriedigung verschaffe. «Zu dienen, ist für mich eine Quelle der Freude», sagt er und lächelt.

Als Beispiel nennt er seine Erfahrungen, die er in einem rückständigen Grenzgebiet der Elfenbeinküste gesammelt hat. Dort habe er liberianische Flüchtlinge in Landwirtschaft unterrichtet. «Die Dankbarkeit dieser Menschen war für mich das grösste Geschenk», erzählt er gerührt. Jene hätten ihm erzählt, dass man ihnen alles genommen habe. Aber das Wissen, welches er ihnen vermittelt habe, könne ihnen nun niemand mehr wegnehmen. «In Afrika habe ich einen Erdteil kennengelernt, wo die Beziehung der Menschen untereinander wichtiger ist als alles andere», resümiert Bachofner. Nachdenklich fügt er an: «Das ist etwas, was wir hier leider ein wenig verlernt haben.»

Ausbildung auf hohem Niveau

Selam indes betreibt in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zwei «Children’s Villages», die rund 450 Waisenkindern ein Zuhause bieten. Daneben besitzt das christliche Hilfswerk eine eigene Privatschule, in der es gegen 3000 Schüler unterrichtet. Für die Berufsbildung gibt es zusätzlich ein eigenes Ausbildungszentrum. «1991 nahmen wir die ersten 16 Schlosserlehrlinge auf, die nach drei Jahren ihre Ausbildung auf Schweizer Niveau abschlossen», so Bachofner. Letztes Jahr seien es bereits 110 Lehrlinge gewesen, die ihre Lehre als Schlosser oder Elektriker erfolgreich beendeten.

Heute bietet das Zentrum Lehrstellen für angehende Schlosser, Mechaniker, Elektriker, Automechaniker, Biogas- und Solarenergiespezialisten, aber auch im Hausbau an. «Unsere Lehrlinge erhalten dort eine sogenannte On-theJob-Ausbildung», erzählt Bachofner. Sie würden Teil der Wertschöpfung und trügen somit zur Finanzierung ihrer eigenen Ausbildung bei. Der Erfolg sei beachtlich: «Wir können sagen, dass das Ausbildungszentrum aus jedem Spendenfranken einen zweiten Franken erwirtschaftet.»

Dieser Artikel erschien am 06.01.2010 im Tages-Anzeiger Region Oberland

Generationengespräch zwischen zwei Journalistinnen

Sonntag, 3. Januar 2010

Im «Echo der Zeit» vom 30.12.2009 sprachen im Rahmen der Serie «Generationengespräch» Margrit Sprecher (73) und Michèle Roten (30) über die Zukunft des Journalismus. Einen grossen Stellenwert im Gespräch bilden das Internet, Qualitätsjournalismus und den journalistischen Werdegang.

Link zum Gespräch

Die Zukunft der Massenmedien

Montag, 21. Dezember 2009

Im März 2009 hat Clay Shirky einen Blogartikel verfasst, der bisher über 1000 backlinks gesammelt hat. Wer selber bloggt, weiß, wie schwer es ist, überhaupt mehr als 20 zu bekommen. Es ging in Newspapers and Thinking the Unthinkable um die Zukunft der Massenmedien – vor allem um die Presse. Hier ist ein sehr spannendes, aktuelles Interview von Jay Rosen (pressthink.org) mit Clay Shirky, das eigentlich jeder ansehen sollte, der sich mit Medien auseinandersetzt. Sehr persönlich, sehr umfangreich und sehr spannend plaudern beide über Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Medien. Video in 5 Teilen…

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

via Blogpiloten / Jörg Wittkewitz

Bildnachweis: Joi

Howard Gossage

Dienstag, 10. November 2009

In der Bezahlausgabe des heutigen Tagi, verfasste Constantin Seibt eine wunderbare Geschichte zum 40. Todestag des Werbegenies Howard Luck Gossage. Da der Artikel online leider nicht abrufbar ist, ich ihn euch jedoch trotzdem nicht vorenthalten möchte, verlinke ich hier ausnahmsweise auf das PDF zum Download.

Kurz verlinkt: Tipps für Journalisten

Freitag, 9. Oktober 2009

David Bauer hat in seinem Post “Fesseln, nicht knebeln – den Leser im Text halten” einige spannende Schreibtipps für Schurnis aufgelistet. Vielen Dank hierfür!

Blickgotterie?

Mittwoch, 1. Juli 2009

Als Journalist ist das ja immer so eine Sache mit dem öffentlichen Interesse. Jede Redaktion legt “öffentliches Interesse” unterschiedlich aus. Ein jüngstes Beispiel bietet mein Lieblingsblatt, der Blick. Wie ich durch Ugugu erfahren habe, richtet der Blick derzeit seine gespitzten Bleistifte auf eine “Sozialamtsleiterin” (Gemäss der Webseite der Gemeinde Oberweningen übt sie jedoch die Funktion “Sekretärin der Sozialbehörde” aus). Diese Sekretärin übt ein sicherlich etwas aussergewöhnliches Hobby aus – sie lässt sich in Sado-Maso-Posen ablichten.

Soweitsogut. Doch lässt sich damit eine solche Hetzkampagne rechtfertigen? (ich bezeichne sie als eine solche, da der Blick noch einen weiteren Artikel darüber verfasst hat). Wieder die Frage des öffentlichen Interessens – darf eine Sekretärin der Sozialbehörde solche Aufnahmen von sich machen? Der Blick zitiert in seinem Artikel einen Berner Juristen, Martin Zwahlen. Dieser sagt sinngemäss, dass eine Nebenbeschäftigung nicht dem Ansehen des Arbeitgebers schaden dürfe.

Der Blick zieht sich damit argumentativ aus der Schlinge. Denn sollte die Öffentlichkeit vom sonderbaren Hobby der Sekretärin erfahren, so dürfte dies dem Ansehen der Gemeinde tatsächlich schaden.

Jedoch, wie bereits erwähnt, muss die Öffentlichkeit erst davon erfahren. Im Fall der Sekretärin hat sie es erst durch den Blick. Der Blick bedient damit nicht öffentliches Interesse, sonder er schafft erst öffentliches Interesse. Denn das Hobby der Sekretärin wurde erst zum Problem, nachdem die Geschichte publik geworden ist. Die Leistung der Sekretärin als solche in ihrer Funktion, welche in meinen Augen viel näher mit dem öffentlichen Interesse verbunden ist, bleibt im ganzen Blick-Bericht unberücksichtigt.

Blickgotterie?

Bei tou.ch wurde in den Kommentarspalten ein happiger Vorwurf gegenüber Debora Zeier, der Autorin des Blick-Berichts laut. Es hiess darin, die Journalistin betreibe selbst eine Webseite, die sie in doch ziemlich knapper Bekleidung zeige. Tatsächlich findet sich eine solche (http://www.deborazeier.com/Home). Dies heisst jedoch noch lange nicht, dass es sich bei der Betreiberin der Webseite und der Journalistin um ein und dieselbe Person handelt. Wäre aber äusserst delikat und würde den Blick-Artikel in ein völlig neues Licht rücken – bigoter ginge es gar nicht. Ich habe deshalb vor einer Stunde den Blick mit der Bitte um Auskunft kontaktiert.

Falls der Blick antworten sollte, werde ich dies hier natürlich veröffentlichen.

Update: Pikant ist, dass die besagte Sekretärin, sowie auch die Autorin, Debora Zeier, beide am selben Missbikini-Wettbewerb teilgenommen haben. So wie ich das noch durch Google rekonstruieren kann, zwar nicht im selben Jahr, jedoch stellen sich mir dabei trotzdem einige Fragen.

Update II: Ich weiss leider immer noch nicht, ob das Fotomodell und die Journalistin Debora Zeier dieselben Personen sind. Falls jedoch schon, ist es wohl nicht so klug, wenn man im Glashaus sitzend, mit Steinen um sich wirft. (Danke @Complete).

Update III: 20 Minuten greift die Sache auf – damit ist wohl nun gesichert, dass es sich beim Model Debora Zeier auch um die Blick-Journalistin Debora Zeier handelt

Update IV: Nun wird langsam ersichtlich, wie die Story entstanden sein könnte. Zumindest wenn man einem Kommentator glaubt. In den Kommentarspalten beim heute von 20 Minuten veröffentlichten Artikel schreibt nämlich ein gewisser Tobias Müller:

Dass die “Journalistin” Debora Zeier nichts anderes als die Ex-Freundin des Fotografen und Betreibers von redsector ist und im Tresor Club, wo die Fotos gemacht worden sind, vor einiger Zeit täglich ein und aus ging… ja davon schreibt der Blick nichts… Billigster Journalismus….